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Madeira braucht eigentlich keine Reklame. Schon vor über 100 Jahren sprach sich die Sonneninsel als Ferienziel betuchter Briten herum. Für die alteingesessenen Engländer auf der Insel kann denn der Entdecker Madeiras auch nur einer  der ihren gewesen sein.

Robert Machyn soll er geheißen haben. Mit seiner Geliebten Anne, die aus gutem Hause kam und ihn nicht heiraten durfte, wollte er eigentlich nach Frankreich flüchten. Ein Sturm trieb sein Boot jedoch nach Süden ab. 1346 strandeten Robert und Anne beim heutigen Machico und fanden so den Archipel...

Für die Portugiesen allerdings beginnt die Geschichte der Insel erst ein Menschenalter nach der tragischen Lovestory - nämlich mit der Landung des Seefahrers Joao Goncalves Zarco im Jahre 1419, ebenfalls in Machico. Die Gelehrten streiten übrigens noch immer. Fest steht auf jeden Fall, dass Zarco anno 1418 zuerst das 41 qkm kleine Nebeneiland Porto Santo erreichte.

Von dort kam er auf die 741 qkm große Hauptinsel, die wegen ihrer dichten Wälder den Namen Madeira (portugiesisch "Holz") bekam. Die Ära der großen Entdeckungen hatte gerade begonnen. Madeira wurde zum Stützpunkt auf dem Seeweg nach Afrika, später dann auch nach Asien und Südamerika. Mit schwarzen Sklaven begann der Anbau von Zuckerrohr, bis bereits im 16. Jh. die Produktion in Brasilien billiger wurde.

Für viele Menschen blieb - als einzige Alternative zum Elend und zum Hunger - nur die Emigration. Niemand weiß genau, wie viele Madeirenser fern der Heimat leben. Allein in den Jahren von 1955 - 74 zogen über 75 000 von der Insel fort, vor allem nach Südafrika, Venezuela und Brasilien.

Das sich Geschichte wiederholt, hat es Madeira auch mit seinem heutigen Hauptausfuhrprodukt - kleine, herrlich fruchtige Bananen - in der EU nicht leicht; sie halten mit der noch grün gepflückten Übersee - Konkurrenz nicht mit. Dennoch leben die Menschen heute besser als vor 25 Jahren. Sie haben im Gegensatz zu früher ja auch eine relativ bürgernahe Verwaltung.

Seit 1976 bildet Madeira (ebenso wie auch die Azoren) innerhalb der portugiesischen Republik eine Autonome Region mit der Hauptstadt Funchal und verfügt in etwa über soviel Eigenständigkeit wie ein deutsches Bundesland. Ihre Natur ist einmalig und muß keine Konkurrenz fürchten. Nur bewirkt der Tourismus keine Wunder und versetzt auch keine Berge (zum Glück, denn was wäre Madeira ohne sie?), und die Region mit ihren rund 260 000 Einwohnern blickt in eine ungewisse Zukunft.

Wer den Blick über die fast menschenleere Landschaft im Inselinneren schweifen läßt, der will kaum glauben, dass Madeira mit seinen über 330 Einwohnern pro Quadratkilometer rund anderthalbmal so dicht besiedelt ist wie das hoch industrialisierte Deutschland. "Verantwortlich" dafür ist ohne Frage die Inselhauptstadt, deren letzte Häuser sich erst hoch oben am Berg im Eukalyptuswald verlieren, und von wo sich die lichte Bebauung fast ununterbrochen nach Osten wie nach Westen fortsetzt.

Wegen seiner strategisch günstigen Lage an den Handelsrouten der Welt war Madeira oft ein Spielball der Nationen. Mal fielen die Spanier ein, mal die Briten. Letztere "eroberten" nicht selten auch einheimische Mädchen und hinterließen nach dem napoleonischen Kriegen ein deutliches Erbe. Ihre Nachkommen unterscheiden sich noch heute durch helles Haar und blaue Augen von den meisten übrigen Insulanern. Blond und blauäugig sind auch die meisten Urlauber. Sie kommen natürlich nicht nur im Sommer, sondern gerade auch, um der winterlichen Kälte zu entfliehen.

Egal ob im Winter oder Sommer, im Auto oder auf Schusters Rappen - die wildzerklüftete Landschaft verfehlt auf niemanden ihre Wirkung. Ebenso die Blumenvielfalt - feurig rote Passionsblumen, Bougainvilleen, Hibiskus, Orchideen...- nicht zu vergessen die terrassierten Hänge, wo die Trauben für den Madeirawein gedeihen. Er versüßt den Urlaub zusätzlich.



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